Ein besonderer Festtag

Am Sonntagnachmittag, 1. September 2024, trafen sich hörgeschädigte Geschwister, ihre Begleiter, Gäste, Freunde und Gemeindemitglieder zu einem Festgottesdienst in Bad Düben. Das gehörlose Ehepaar Härta erhielt den Segen zur Diamantenen Hochzeit.

Bischof Thomas Matthes verwendete für diesen Anlass ein Wort aus Galater 6,2: „Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ Er brachte seine Freude zum Ausdruck, dass es schön sei, sich einander in die Augen zu sehen und damit auch in das Herz. Wir erleben viel und verlieren dabei manches aus den Augen. 60 Jahre sind Bärbel und Manfred Härta viele Wege miteinander gegangen. Eigentlich müssten sie erzählen, wo sie überall waren. Gott war ihr Begleiter, er hat sie gesegnet und füreinander erhalten.

Das Textwort könnte als Überschrift für das gesamte Leben verwendet werden. Manchmal möchten wir etwas tragen, aber es ist zu schwer, es alleine zu tragen. Dann packt eine andere Person mit an und es funktioniert. Es gibt Sorgen, Krankheiten, Leid, ungute Verhältnisse im Beruf oder in unserer Wohnumgebung, all das kann eine Last sein. Niemand muss alles alleine tragen. Packen wir mit an, bei der Last unseres Nächsten. Oft befinden sich diese Personen in unmittelbarer Nähe zu uns: Frau, Mann, Kind und Eltern. Sind wir uns bewusst, dass auch sie Lasten tragen oder sehe ich nur meine eigenen Probleme? Interessiere ich mich ehrlich für meinen Nächsten oder frage nur, weil ich ein Gespräch beginnen möchte? Mit einem guten Ratschlag ist dem Nächsten nicht geholfen. Nehmen wir uns Zeit und hören einfach mal zu. Zeigen wir Verständnis füreinander, auch wenn sich junge Leute oder Kinder anders verhalten. Auch wir waren einmal jung.

Jesus trug die Lasten, die Sünden aller Menschen und wurde gekreuzigt. Zu damaliger Zeit mussten die Verurteilten ihr Kreuz selbst tragen. Jesus konnte es nicht. Er brauchte Hilfe. Bei Jesus sehen wir seine große Liebe. Er sprach nicht über die Fehler der Menschen. Bei Simon, dem Mann, der Jesus half, das Kreuz zu tragen, sehen wir Hilfsbereitschaft. Er hat angepackt und mitgetragen. Lasst uns einander tragen, mit allen Fehlern und Schwächen, aber auch mit vielen guten Seiten. Wenn Gottes Liebe im Herzen getragen wird, kann vieles erreicht werden.

In einer Predigtzugabe ging Priester Mathias Hielscher aus der Gemeinde Leipzig-Mitte auf das Chorlied „Du hast so wunderbare Wege“ ein. Das zu sagen, fällt dem einen oder anderen manchmal schwer, weil er sich vielleicht gerade in einer schwierigen Situation befindet und keinen Ausweg sieht. Aber wir können Gott vertrauen, er sieht uns und wird uns zu gegebener Zeit seine Hilfe geben. Im Bezug auf das Textwort unterstrich Priester Hielscher dies mit einer kleinen Geschichte. Zwei Kinder waren unterwegs. Das eine Kind fällt und verletzt sich. Der ältere nimmt den verletzten Bruder auf seinen Rücken und trägt ihn ein Stück. Menschen, die vorbeikamen, fragten: „Was hast du für eine Last auf deinem Rücken?“ Der Junge antwortete: „Das ist keine Last, das ist mein Bruder.“  Es ist schön, wenn wir in einer Gemeinschaft die Lasten unserer Mitgeschwister mittragen.

Nach der Feier des Heiligen Abendmahls spendete der Bischof dem Jubelpaar den Segen zu ihrem Ehejubiläum. Zur Einleitung der Handlung erklang das Lied „Jesus, bleib in meinem Leben“, dessen Text ebenfalls in die Gebärdensprache übersetzt wurde.

Bischof Matthes erinnerte daran, dass sie vor 60 Jahren eine Entscheidung getroffen haben, beieinander in Liebe zu bleiben. Das ist so geblieben. Sie haben ihr Leben miteinander gemeistert, waren nicht nur füreinander da, sondern haben auch miteinander an Gott geglaubt. Auch die Zukunft liegt in Gottes Hand. Dazu gab er ihnen ein Wort aus Römer 12,12: „Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet.“ Wir können fröhlich sein, weil wir auf Gott hoffen und ihm vertrauen. Er wird alles gut machen. Wir sollten geduldig sein, wenn Handreichungen nicht mehr so schnell gehen, wie früher. Beharrlich im Gebet zu sein bedeutet, jeden Tag mit unserem Gott zu sprechen, vielleicht auch alleine oder in unseren Gedanken.

Im Anschluss an den Gottesdienst, welcher durch ehrenamtliche Schwestern und Brüder aus den Gemeinden Leipzig-Mitte, Leipzig-Plagwitz, Taucha und Torgau übersetzt wurde, gab es noch ein Beisammensein zur Freude des Jubelpaares.